Hohlwände erklärt: Die gebräuchlichsten Materialien und ihre Eigenschaften

Hohlwände erklärt: Die gebräuchlichsten Materialien und ihre Eigenschaften

Hohlwände sind ein wesentlicher Bestandteil vieler österreichischer Gebäude – sowohl bei traditionellen Ziegelhäusern als auch bei modernen Neubauten. Sie tragen entscheidend zur Wärmedämmung, Feuchtigkeitsregulierung und Langlebigkeit der Bausubstanz bei. Doch woraus besteht eine Hohlwand eigentlich, und welche Materialien kommen dabei am häufigsten zum Einsatz? In diesem Artikel erfahren Sie, welche Materialien in Österreichs Baupraxis besonders verbreitet sind und welche Eigenschaften sie auszeichnen.
Was ist eine Hohlwand?
Eine Hohlwand besteht aus zwei Mauerschalen – einer Außenwand und einer Innenwand – die durch einen Zwischenraum getrennt sind. Dieser Hohlraum kann entweder leer sein oder mit Dämmmaterial gefüllt werden. Die Bauweise wurde in Österreich ab der Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend populär, als Wärmeschutz und Energieeffizienz stärker in den Fokus rückten.
Die Außenwand schützt vor Witterungseinflüssen wie Regen, Frost und Wind, während die Innenwand die statische Last trägt und für ein angenehmes Raumklima sorgt. Der Zwischenraum dient der Wärmedämmung und dem Feuchtigkeitsschutz.
Die gebräuchlichsten Materialien in Hohlwänden
1. Ziegel – der Klassiker im österreichischen Mauerwerk
Ziegel sind das traditionelle Baumaterial in Österreich und werden sowohl für Außen- als auch Innenwände verwendet. Sie bestehen aus gebranntem Ton und zeichnen sich durch hohe Festigkeit, gute Wärmespeicherung und lange Lebensdauer aus.
- Vorteile: Langlebig, diffusionsoffen, gute Wärmespeicherung, regional verfügbar.
- Nachteile: Kann Feuchtigkeit aufnehmen, wenn Fugen beschädigt sind.
- Pflege: Regelmäßige Kontrolle der Fugen und gegebenenfalls Neuverfugung, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden.
2. Leichtbeton- und Blähtonsteine – stabil und wärmedämmend
Leichtbetonsteine, oft auch als Blähtonsteine (z. B. Leca) bekannt, werden häufig für Innenwände oder tragende Schalen verwendet. Sie bestehen aus gebrannten Tonkügelchen, die in Beton eingebettet sind, und bieten eine gute Kombination aus Stabilität und Wärmedämmung.
- Vorteile: Geringes Gewicht, gute Wärmedämmung, einfache Verarbeitung.
- Nachteile: Weniger druckfest als massiver Beton, erfordert sorgfältige Putzarbeiten.
- Typische Anwendung: Innenwände in Einfamilienhäusern und Anbauten.
3. Dämmstoffe – entscheidend für Energieeffizienz
In modernen Hohlwänden spielt die Dämmung eine zentrale Rolle. Sie reduziert Wärmeverluste und sorgt für ein angenehmes Raumklima. In Österreich werden vor allem folgende Dämmstoffe verwendet:
- Mineralwolle (Glas- oder Steinwolle): Sehr verbreitet, nicht brennbar, gute Schalldämmung.
- EPS (expandiertes Polystyrol): Leicht, feuchtigkeitsabweisend, kostengünstig, aber weniger hitzebeständig.
- PUR- und PIR-Hartschaumplatten: Hervorragende Dämmleistung bei geringer Dicke, jedoch teurer.
- Zellulose- oder Holzfaser-Dämmung: Umweltfreundliche Alternativen, besonders im ökologischen Hausbau beliebt.
Die Wahl des Dämmmaterials hängt von der Bauweise, der gewünschten Energieeffizienzklasse und den regionalen Klimabedingungen ab – in alpinen Regionen etwa spielt Frostschutz eine größere Rolle als im Flachland.
4. Maueranker – die unsichtbaren Verbindungen
Damit Außen- und Innenwand stabil miteinander verbunden sind, werden Maueranker oder Verbindungsanker eingesetzt. Sie bestehen meist aus rostfreiem Edelstahl und sorgen dafür, dass beide Mauerschalen als Einheit wirken.
- Vorteile: Hohe Stabilität, Korrosionsbeständigkeit.
- Nachteile: Ältere, verzinkte Anker können mit der Zeit rosten.
- Pflege: Bei Sanierungen sollte der Zustand der Anker überprüft und gegebenenfalls erneuert werden.
Feuchtigkeit und Belüftung in der Hohlwand
Ein zentrales Ziel der Hohlwandkonstruktion ist der Schutz vor Feuchtigkeit. Damit eingedrungene Feuchtigkeit wieder austreten kann, sind Lüftungsöffnungen an der Unterseite der Außenwand wichtig. Wenn der Hohlraum mit Dämmstoff gefüllt ist, sollte dieser diffusionsoffen sein, damit Feuchtigkeit entweichen kann und kein Schimmel entsteht.
Fehlerhafte Abdichtungen oder fehlende Lüftung können zu Feuchteschäden führen – insbesondere bei älteren Gebäuden, deren Hohlräume ursprünglich nicht gedämmt waren.
Nachträgliche Dämmung von Hohlwänden
Viele Häuser aus den 1950er- bis 1970er-Jahren besitzen Hohlwände ohne Dämmung. Eine nachträgliche Einblasdämmung kann hier die Energieeffizienz deutlich verbessern. Dabei wird Dämmgranulat – etwa aus Mineralwolle, EPS oder Zellulose – über kleine Bohrlöcher in den Hohlraum eingeblasen.
- Vorteile: Schnelle, kostengünstige Maßnahme zur Energieeinsparung.
- Nachteile: Risiko von Feuchtigkeitsproblemen, wenn die Wand nicht ausreichend trocken oder belüftet ist.
- Tipp: Vor der Dämmung sollte immer ein Fachmann die Bausubstanz prüfen.
Wartung und Kontrolle
Hohlwände sind grundsätzlich wartungsarm, dennoch lohnt sich eine regelmäßige Kontrolle:
- Sichtprüfung der Fugen und Maueroberflächen.
- Beobachtung von Feuchtigkeitsflecken oder Ausblühungen.
- Kontrolle der Lüftungsöffnungen auf Verstopfungen.
- Überprüfung der Dachentwässerung, um Spritzwasser an der Fassade zu vermeiden.
Kleine Schäden, rechtzeitig erkannt und behoben, verhindern größere Sanierungsarbeiten und verlängern die Lebensdauer des Mauerwerks erheblich.
Eine langlebige Bauweise mit Zukunft
Die Hohlwand ist eine bewährte und effiziente Bauweise, die Stabilität, Wärmeschutz und Feuchtigkeitsschutz vereint. Mit den richtigen Materialien und einer fachgerechten Ausführung kann sie über Generationen hinweg bestehen. Ob traditionelles Ziegelhaus im Wiener Becken oder modernes Passivhaus in Tirol – wer seine Hohlwand versteht und pflegt, sorgt für ein dauerhaft gesundes und energieeffizientes Zuhause.













